|
Loutro – Chora Sfakion
Merkwürdige Geräusche
lassen uns am Morgen zeitig erwachen. Die Balkontür unseres Zimmers knarrt
ständig, schließlich wird sie mit lautem Knall zugeschlagen. Wind ist
aufgekommen, recht heftig aber noch kein Sturm. Unser Wirt schätzt den Wind
beim Frühstück auf 6 Beaufort ein, Tendenz steigend.
Die Wasseroberfläche beunruhigt uns nicht weiter, es gibt zwar jetzt
Wellen, allerdings kommen uns die noch nicht bedenklich vor. Wir sind
allerdings in einer geschützten Bucht, die Strecke nach Chora Sfakion
schätzen wir auf ca. 2 – 3 Stunden ein. Da wir ohnehin keine andere
Möglichkeit sehen aus Loutro wegzukommen, paddeln wir los.
Um aus der Bucht zu kommen, müssen wir ein Stück südlich fahren, wir
haben zu diesem Zeitpunkt den Wind im Rücken. Es macht Spaß mit den Wellen
zu spielen, durch den Rückenwind ist auch keine großartige Anstrengung
notwendig, wir probieren aus was passiert, wenn wir die Wellen nicht
schneiden, sondern seitlich kommen lassen. Kein Problem, wir fühlen uns
sicher.
Der Felsvorsprung, der östlich die Bucht begrenzt liegt jetzt noch etwa 100
m vor uns, ab da müssen wir dann wieder Richtung Osten paddeln, mal sehen
wie sich der Wind dann auswirkt. Bereits jetzt werden die Wellen immer
höher, auf der Höhe des Felsvorsprungs erreichen die Wellen bereits eine
Höhe, die uns nicht mehr ans Spielen mit den Wellen denken lässt, sondern
nur mehr an ein möglichst vernünftiges paddeln.
Da wir die Wellen jetzt nicht mehr seitlich nehmen wollen, und uns der
ablandige Wind bei strikter östlicher Paddelrichtung immer weiter aufs Meer
treibt, entsteht vom Kurs her ein Kreuzen. Wir paddeln ein Stück in
südöstlicher Richtung, also aufs Meer hinaus, dann wieder in
nordöstlicher Richtung. So geht das einigermaßen, wobei die Strecken in
nordöstlicher Richtung schon anstrengend sind, einmal auf Grund der
Tatsache, dass wir gegen den Wind paddeln, zusätzlich gehen viele
Paddelschläge auf Grund der Wellen ins Leere.
Der Wind wird immer heftiger, ein Blick auf unsere Karte zeigt uns, dass wir
für den letzten Kilometer ungefähr eine Stunde gebraucht haben.
Jetzt ist das paddeln kein Gleiten mehr, eher kann man es schon mit
Wellenreiten vergleichen. Solange wir allerdings beim Paddeln in nördlicher
Richtung, also zum Festland noch relativ gut vorankommen, mache wir uns
keine Sorgen.
Wir erreichen den letzten Felsvorsprung vor Chora Sfakion schon ziemlich
abgekämpft, der Wind hat sich in der Zwischenzeit kontinuierlich
gesteigert, das letzte Stück in nördlicher Richtung ist jetzt nicht mehr
lustig. Wir haben manchmal bereits das Gefühl auf der Stelle zu paddeln,
beobachtet man jedoch die Uferlinie, kann man ein zwar sehr langsames, aber
immerhin noch ein Vorankommen feststellen.
Schlussendlich sind wir froh, als wir in Chora Sfakion anlegen können.
Jetzt heißt es abwarten, wie sich der Wind entwickelt.
Innerhalb der nächsten Stunden wird der Wind zum Sturm, an paddeln ist
nicht mehr zu denken. Unsere Bargeldvorräte neigen sich dem Ende zu, aber
es soll ja in diesem Ort einen Bankomaten geben. Wir finden ihn auch sofort,
allerdings funktioniert er nicht. Ein Techniker sei bereits angefordert,
erklärt man uns. Ob der Techniker denn heute noch kommt, wollen wir wissen:
Maybe ......
Wir warten einige Zeit, vom Techniker keine Spur, und bemerken dann noch,
dass der Bankomat nur mit Visa Karten funktioniert, wenn er denn
funktioniert. Visa Karte haben wir keine, also wollen wir jetzt
schnellstmöglich weg von diesem unsymphatischen Ort. (Wir waren in der
Zwischenzeit essen, das war Abfütterung zu überhöhten Preisen, zum ersten
Mal haben wir jetzt auf Kreta Kontakt mit diesen unguten Kellnern, die einen
am liebsten von der Strasse weg in ihr Lokal zerren wollten.)
Schnellstmöglich weg, so einfach ist das nicht. Der einzige Bus der an der
Südküste Richtung Plakias fährt ist bereits am Vormittag gefahren.
Taxi-Unternehmer gibt es zwar, aber der hat für heute offensichtlich schon
genug verdient, er erklärt uns, dass wir morgen wiederkommen sollte, da
hätte er eventuell Zeit.
Wir versuchen privat jemanden mit einem Pick-up (wegen des Umfangs unseres
Gepäcks) zu finden, was uns schließlich auch gelingt. Wir handeln den
Preis aus, und ab geht’s Richtung Plakias. Eine interessante Fahrt in
einem interessanten Gefährt.
Von Plakias wollen wir mit einem Ausflugsboot Richtung Moni Previli weiter.
Nein, sagt uns der Kapitän, bei dem Wind und Seegang fahren keine
Ausflugsboote mehr. Auf unsere Frage wie die Prognosen für den Wind in den
nächsten Tagen sei, erklärt er uns, dass der Wind noch stärker wird, und
diese Wetterphase 3 Tage dauert.
Eine online-Wetterkontrolle in einem Internetcafe liefert denselben Bericht.
Wir beschließen uns ein Leihauto zu nehmen, und noch nach Matala und Lentas
zu fahren.
Am letzten Tag in Matala flaut der Wind wieder etwas ab, und wir erkunden
noch mit den Booten die umliegenden Buchten.
Noch ein Tipp für alle Kreta Reisenden die mit dem Flugzeug in Heraklion
ankommen und abfliegen: Wir haben direkt im Flughafengelände für 3 Kaffee
9,60 Euro bezahlt. Hundert Meter vom Flughafengebäude entfernt gibt es
einen Verkaufsstand wo wir für 3 Getränke und 3 große Sandwich gerade mal
6 Euro bezahlt haben ....
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------
Uns hat dieser Paddel-Urlaub
infiziert, es ist eine Art von Urlaub, die absolut nicht mit 14 Tage
Pauschalurlaub zu vergleichen ist. Man bestimmt sein Tempo selbst, kommt an
Plätze wo 99% aller anderen Touristen niemals hinkommen, ist an
Traumstränden völlig allein, bewegt sich an der frischen Luft, erlebt die
Natur.
Für eine Kreta Paddeltour empfehlen wir 14 Tage, damit man diese 3-tägigen
Windphasen abwarten kann.
Unsere nächste Paddeltour ist auf jeden Fall schon in Planung: Vielleicht
Kefalonia, vielleicht die dalmatinische Küste ......
|
|