
GRABNER LIVE
Unterwegs im Bereich der ionischen Inseln
Der Traum wurde vor genau einem Jahr geboren. Wir, Ellen und Max aus Salem am Bodensee, waren zum ersten Mal mit unserem Campingbus in Griechenland im Bereich der Ionischen Inseln Korfu, Lefkada, Kefalonia unterwegs.
Geradezu überwältigt waren wir damals von der unglaublich schönen Küstenlandschaft, den zahllosen weißen Sandstränden und den entlegenen Buchten. Durch die vorgelagerten Inseln erschien das Meer eher als Binnengewässer, glasklar, in allen möglichen Blautönen schimmernd.
Hier ein eigenes Boot dabei zu haben, mit dem man spontan all das erkunden und hautnah erleben könnte, was wir aus der Ferne betrachteten, mit dem man einsame Sandstrände anfahren und dort ganz allein die Stille und die Ruhe dieser traumhaften Landschaft genießen könnte...das war der Traum, der uns nicht mehr los ließ.
Ein ganzes Jahr hindurch recherchierten wir in alle Richtungen, um herauszufinden, welches Boot das richtige für uns wäre. So ziemlich am Anfang war auch schon klar, dass es kein festes Boot sein konnte, da wir es auf unseren Touren möglichst flexibel einsetzen wollten und vom Transportraum her auch auf eine kompakte Lösung angewiesen sind. Ein Faltboot erschien uns zu kompliziert vom Aufbau her. Nach vielen langen Winterabenden, an denen wir uns in einschlägigen Internet-Foren herumtrieben, landeten wir schließlich bei der Firma Grabner. Da wir in Sachen Haltbarkeit und persönliche Sicherheit keine Kompromisse mögen, stand auch recht bald fest: Nichts anderes als ein Grabner-Boot kommt für uns in Frage.
Die Grabner-Homepage war dann für etliche Wochen unsere allabendliche „Spielwiese“. Zwar sind wir vor vielen Jahren einmal mit einem gemieteten Kajak im Sommer die Ardeche hinunter gepaddelt ...aber das wars auch schon, ansonsten hatten wir von diesem Thema wirklich keine Ahnung. Umso mehr hat es uns fasziniert, wie es uns Schritt für Schritt gelang, auf Grund unserer persönlichen Vorstellungen und den verfügbaren Informationen zu unserem Bootstyp vorzudringen. Und dabei waren wir eigentlich schon „auf dem Wasser“ ... versetzten uns gedanklich in die verschiedensten Situationen, paddelten auf unserem heimischen Bodensee, auf Flüssen und natürlich ....
Hmmm... genau an diesem Punkt, nämlich dort, wo die Idee entstand, waren wir zwischenzeitlich schon arg verunsichert. Hatten wir doch im Zuge unserer Recherchen so manche sehr kritischen Äußerungen in den Internet-Foren gelesen, was das Paddeln mit Luftbooten auf dem Meer im Hinblick auf die Sicherheit anbelangt. Das alles nahmen wir sehr ernst. Wer die Wind- und Wetterverhältnisse allein auf dem Bodensee einmal erlebt hat, weiß, wie schnell da „Schluss mit lustig“ sein kann...
Nichts desto Trotz... wir beide verzichteten 2010 gegenseitig auf jegliche Weihnachtsgeschenke und legten dafür unseren gemeinsamen Entschluss unter den Christbaum: Es wird ein Explorer II von Grabner ... und zwar noch im kommenden Frühjahr.
Ende Februar wurde das gute Stück (mit vor Aufregung zittrigen Händen) aus dem Karton befreit. Sobald das Wetter es einigermaßen zuließ begannen wir mit den ersten „Probefahrten“ auf dem Bodensee. Bis zu 20 km schafften wir bereits beim dritten Mal. Wir waren fasziniert, wie stabil das Boot war, hatten von der ersten Minute an ein absolut sicheres Gefühl.
Schnell schritt das Frühjahr voran. Die Fähre von Ancona nach Igoumenitsa hatten wir bereits im Februar gebucht. Einiges an Zubehör für unseren Explorer leisteten wir uns noch. Wahrhaft „Gold wert“ ist die Steuereinrichtung. Wir sind überzeugt, dass sie so manchen „Ehekrach auf See“ von vorneherein ausschließt, da der „gewichtigere“ und somit hinten sitzende Partner den richtigen Kurs einfach „im Griff“ bzw. „in den Pedalen“ hat.
Was den Transport des Explorers anbelangt entschieden wir uns für die im Bild dargestellte Lösung. Die Befestigung auf dem etwas zweckentfremdeten Fahrradträger funktioniert hervorragend.
Durch die waagrechte Bohrung in der Heckverstärkung (für die Steueraufholleine) steckten wir ein Vorhängeschloss mit verlängertem Bügel. Dort hindurch wiederum ein stabiles Fahrradschloss, mit dem wir unser Boot dann am Fahrradträger zusätzlich sicherten.
Der erste Versuch auf dem Meer
Ja – und heute, am 02. Mai 2011 soll das, was vor einem Jahr als Traum geboren wurde, Realität werden. Wir haben auf der Insel Lefkada, auf dem Campingplatz „Desimi Beach“ ein traumhaftes Plätzchen gefunden, das uns für die ersten „Gehversuche“ auf dem Meer sehr geeignet erscheint.
Vor uns liegt eine malerische Bucht, ca. 1 km breit und 2,5 km lang, an beiden Flanken Felsküste mit etlichen kleineren Höhlen und Grotten, in die man sogar ein bisschen hineinfahren kann. Vor der Bucht bildet die Inseln Meganisi den Horizont. Davor wiederum eine kleinere unbewohnte Insel. Wir starten mit unserem Explorer um ca. 11.00 Uhr Ortszeit bei ganz schwachem Wind und fast glatter Wasserfläche. Entsprechend kommen wir sehr gut voran und sind nach kaum einer halben Stunde am Ende der Südflanke der Bucht angelangt.
Waren wir auf die ersten paar hundert Meter noch buchstäblich nervös in Anbetrat etlicher interessierter Zuschauer vom Campingplatz, so überkam uns nun ein Gefühl, das man mit Worten nicht beschreiben kann. Das türkisblaue Wasser bietet ungehinderte Sicht bis in 10 m Tiefe oder mehr. Man hat buchstäblich den Eindruck, auf dem Wasser zu schweben. Leichtes, völlig entspanntes Paddeln lässt uns vorbeigleiten an bis zu 40 m hohen weißen Kalkfelsen mit faszinierenden Formationen. Üppige, frühjahrsgrüne mediterrane Vegetation... über uns kreisen diverse Seevögel im klarblauen Himmel... wir sind uns einig...mehr Paradies auf dieser Welt ist doch nicht möglich.
Mit all den gelesenen Warnungen im „Hinterstübchen“ trauen wir uns dennoch, die Landspitze zu umrunden und entgegen unserem bisherigen Kurs in nördliche Richtung der Küste entlang zu paddeln.
Inzwischen liegt die „Onassis-Insel“ Skorpios vor uns. Zu unserer Linken wiederum schroffe Felsküste und hin und wieder malerische Sandbuchten, menschenleer, vom Land aus nicht erreichbar. Wir können einerseits der Versuchung kaum widerstehen, hier irgendwo anzulanden, haben wir doch neben aller möglichen Sicherheitsausrüstung noch ein Fläschchen griechischen Wein unter dem Vorderdeck verstaut... als Zusatzballast... wegen der weniger „gewichtigeren“ Partnerin (die ja vorne sitzt)...
Andererseits hat uns nun das „Fieber“ so richtig erfasst. Wir wollen weiter. Es macht einfach nur Spaß... eine Landzunge nach der anderen wird umrundet, voller Neugier, welche Eindrücke sich jeweils dahinter verbergen.
Der Wind hat – wie angekündigt – etwas aufgefrischt. Er beschleunigt unsere Fahrt in Richtung Norden. Wir haben ein GPS-Gerät mit dabei, was unseres Erachtens einfach toll ist. So können wir vor allem jederzeit sehen, mit welcher Geschwindigkeit wir in eine bestimmte Richtung treiben – ohne zu paddeln – oder wir sehen, wie schnell wir gegen Wind und Strömung vorankommen, was wir unterwegs immer wieder ausprobieren.
In einer kleinen einsamen Bucht machen wir Pause und stoßen an ... auf uns, unseren Explorer und darauf, wie schön das Leben sein kann. Wir lassen diese unglaubliche Atmosphäre noch ein wenig auf uns wirken, dann entscheiden wir uns, den Rückweg anzutreten, obwohl es schwer fällt. Der Wind bläst nun aber schon viel stärker, es bilden sich Wellen von ca. 30-40 cm. Wir müssen – zumindest bis an die Felsspitze, die die Einfahrt zu „unserer Bucht“ markiert, gegen Wind und Wellen fahren. Wir haben nicht das geringste Problem damit – im Gegenteil, es macht richtig Spaß, wenn der Bug unseres Explorers so richtig in die Wellentäler patscht – wir kommen gut voran und sind nach einer Stunde an der Einfahrt zur Bucht, dann geht „vor dem Wind“ ganz schnell Richtung Campingplatz.
Eine Fahrt zu der kleinen Insel Thilia
Nachdem es in der Nacht etwas geregnet hat und das Wetter heute morgen nicht ganz so toll ist, fahren wir erst mal in die Stadt Nidri zum Einkaufen. Aber bis zum Mittag hin scheint wieder die Sonne und wir machen uns fertig für den nächsten Ausflug aufs Meer. Schon beim Einsetzen des Explorers ist klar, dass wir heute noch mehr Wind als gestern haben. Und er bläst ziemlich exakt in die Bucht herein, aus der wir eigentlich hinaus möchten. Zum ersten Mal spüren wir, wie es ist, gegen relativ starken Wind zu fahren. Wir kommen aber doch gut voran und es macht Spaß.
Unser Ziel ist die kleine unbewohnte Insel Thilia, die von der größeren Insel Meganisi nur durch einen vielleicht 200 m breiten „Kanal“ getrennt ist. Unsere Idee ist, zum südlichen Ende dieser Insel zu paddeln, dann durch den Kanal um die Insel herum. In Anbetracht der Windverhältnisse probieren wir unterwegs immer wieder eine andere Richtung aus. Wir merken dabei, dass es nicht besonders angenehm ist, im rechten Winkel zur Wind- bzw. Wellenrichtung zu paddeln. Fast haben wir nach ca. 1,5 Stunden die Südspitze der kleinen Insel erreicht, da verlässt uns der Mut oder besser gesagt, es siegt die Vernunft und wir brechen unser Vorhaben ab. Wir lassen uns eine Weile treiben und gelangen so sehr schnell wieder in die Richtung aus der wir kommen. Nun lässt sehr plötzlich der Wind nach, das Meer wird ruhiger und da wir noch gar keine Lust haben, die heutige Tour zu beenden, machen wir einen weiteren Anlauf zu unserer „Inselumrundung“ Allerdings jetzt in anderer Richtung als zunächst geplant. Und alles läuft „wie geschmiert“ wir landen kurz auf Meganisi an, machen an einem kleinen Strand Pause und fahren dann um die Südspitze von Thilia herum, wobei wir ganz dicht an der Felsküste dranbleiben. Wiederum herrliche Eindrücke, unbeschreibliches Gefühl ... Urlaub vom Feinsten. Müde aber glücklich erreichen wir gegen 19.00 Uhr wieder den Campingplatz.
Ein erster „Härtetest“
Wetterbedingt haben wir einen Tag mit einer ausgedehnten Wanderung verbracht, was hier auf Lefkada auch immer ein ganz besonderes Erlebnis ist. Aber heute ist die nächste Explorer-Tour angesagt, obwohl sich das Wetter auch nicht gerade von seiner besten Seite zeigt. Weil wir auch heute mit stärkerem Wind rechnen, ist geplant, den selben Kurs zu nehmen wie bei der ersten Tour, allerdings dann weiter der Ostküste von Lefkada entlang über Nidri Richtung Nikiana. Dass es damit wohl eher nichts wird, merken wir bereits als wir unsere Campingbucht verlassen, denn nun pfeift es uns schon recht heftig um die Ohren. Unsere Käppis verstauen wir besser mal! Wenn die Windböen so richtig loslegen, hat man schon Probleme, das Paddel einigermaßen kontrolliert zu führen. Dennoch sind wir erstaunt, dass wir laut GPS selbst dann noch mit ca. 3-4 km/h vorankommen. Zum Glück gibt es zwischen den wirklich starken Böen immer wieder „Verschnaufpausen“, die wir aber nicht zum Verschnaufen nutzen, sondern versuchen, wieder ein rechtes Stück voran zu kommen. Wir beschließen, bis zum Nordende der Halbinsel Geni zu fahren und dann in die Lagune von Vlicho einzubiegen, wo wir es etwas ruhiger erhoffen. Hatte uns der Wind bisher aus nördlicher Richtung hart ins Gesicht geblasen, kommt er uns jetzt, als wir endlich in die Lagune einfahren wollen, aus westlicher Richtung voll entgegen ...und wie! Bis zum Hafen von Nidri sind es ca. 2 km, die wir uns relativ hart erkämpfen müssen. Dann aber haben wir es geschafft. In der Lagune ist es wirklich etwas geschützt und ruhiger. Am ersten Abend auf Lefkada hatten wir eine unheimlich nette Taverne mit dem Namen „Elena“ hier in der Nähe, direkt am Ufer entdeckt – damals auf dem Landweg. Wir sind uns schnell einig, dass dies das allerbeste Ziel des heutigen Tages wäre. Schon aus der Ferne erkennen wir die dunkelroten Markisen und das grüne Blätterdach unter dem die kleinen Tische stehen. Nicht mal ein Leuchtturm hätte uns die Navigation einfacher gemacht! Und als der Wirt uns schon von weitem entgegenwinkt wissen wir ...wir sind angekommen. Der Explorer wird aus dem Wasser gehoben und „neben den Tisch“ gestellt, wo sich schon bald danach ein Krüglein kühler Wein und herrlich duftende „Calamaretti“ mit zwei glücklichen Seefahrern zusammen gesellen.
Zwei Stunden vergehen wie im Flug. Der Rückweg steht an. Wir sind gestärkt und guten Mutes... (ob der griechische Wein dazu beiträgt...?) Wie dem auch sei, die Lagune wird in nördlicher Richtung flott durchquert.
Nach knapp 45 Minuten sind wir wieder auf der Höhe von Nidri. In dieser Ecke scheint der Wind „zu Hause“ zu sein. Kurzer Kampf, bis wir den knappen Kilometer hinter uns haben, um wieder entlang der Ostseite der Halbinsel zurück zu unserer Bucht zu kommen. Dann aber kommt der harten Arbeit gerechter Lohn. Wind und Strömung treiben uns auf dem gewünschten Kurs mit fast 5 km/h voran.
Hey, das ist ein Gefühl... die tolle Felsküste, die kleinen Strände ziehen an uns vorbei... wir haben die Füße auf Deck gelegt und tun keinen Paddelschlag, Genuss pur... bis an die Einfahrt zur Campingbucht.
Die letzten Sonnenstrahlen lassen wir uns noch an einer ganz traumhaften Stelle ins Gesicht scheinen. Ein ganz kleiner Sand/Kiesstreifen unterhalb einer gigantischen Felsgrotte. Gerade genug Platz für uns und den Explorer.
Einsamkeit Stille und tiefste innere Zufriedenheit... ist das wirklich kein Traum????
Die heutige Tour hat uns schon deutlich vor Augen geführt, dass unsere Vorsicht, was das paddeln auf dem Meer anbelangt gerechtfertigt ist. Vor allem ist es an den Felsküsten ja oftmals über lange Strecken hinweg nicht möglich, irgendwo anzulanden. Dennoch hatten wir auch heute keinen Moment das Gefühl, in einer brenzligen Situation zu sein. Dies liegt sicherlich ein Stück weit daran, dass dieses Revier, wo es „das offene Meer“ ja eigentlich nicht gibt, hervorragend geeignet ist. Zum anderen vermittelt uns der Explorer ein optimales Gefühl der Sicherheit. In keinem Moment war zu befürchten, dass das Boot umkippen könnte. Trotz der heftigen Böen in wechselnder Richtung konnten wir immer einen kontrollierten Kurs fahren. Wir sind nach diesem Tag überzeugt, ein Boot eingekauft zu haben, mit dem selbst Nicht-Profis, wie wir es sind, richtig was unternehmen können, sofern man den „gesunden Menschenverstand“ walten lässt und ein bissel „auf dem Teppich“ bleibt.
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