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Pongo de Mainique

  • Boote: Grabner RiverRider, XR400, BigPack-Boote
  • Bericht + Fotos: Bernd Fertig

"Mit dem RaftKatamaran durch die Schlucht des Bären...."

Mehr Risiko kann auch mehr Leben bedeuten (Ipsen)

 

Mittels Balsaholzstangen und Gurten verbanden Bernd Fertig und seine drei Freunde zwei BigPack-Boote, einen RiverRider und ein XR400 miteinander. Mit diesem sehr stabilen und wendigen Raft-Katamaran befuhren Sie im Juli 1998 den oberen Urubamba von Kiteni bis Camisea mehr als 200 km durch die Regenwälder der Anden Perus. Dabei gelang ihnen die Erstbefahrung einer durch einen Bergsturz entstandenen Engstelle, die sie "Incentive-Rapids" benannten und sie durchquerten den berühmten und selten besuchten "Pongo de Mainique"-, die Bärenschlucht der Machiguena-Indianer am Ausgang der Anden.....

Ein "weisser Fleck" auf der Landkarte....
Von Sebastian Snow stammt der Spruch "Wenn es gut geht ist es ein Abenteuer, wenn es schief geht eine Katastrophe". Um es vorweg zu nehmen unsere Expedition war ein Abenteuer, Katastrophen blieben uns Gott sei Dank wieder einmal erspart- obwohl es am Anfang gar nicht gut ausgesehen hatte:

"Pongo de Mainique" ein Name der uns seit 2 Jahren begeisterte. Wir wussten nicht viel, nur so viel, dass es sich um eine Flussenge des Rio Urubamba in Peru handelt, durch die der Fluss die Anden in Richtung Djungel verlässt. "Pongo de "Mainique" bedeutet in der Sprache der dort lebenden Machiguena-Indianer "Schlucht des Bären". Die Mystik der Indianer erzählt von einem Flussmonster das in Gestalt eines Bären im Wasser lauert und von Zeit zu Zeit Menschen ertränkt, die versuchen durch die Schlucht den Anden zu entrinnen. Dabei stapelt der Bär die Gebeine am Ausgang des Pongo - Tonquini - "Platz der Gebeine" genannt. Mit diesem spärlichen Wissen machten wir uns 1996 auf die Suche nach weiteren Informationen. Im Internet fanden wir nur 2 Hinweise unter diesem Stichwort. Der erste verwies auf die Pläne der Fa. Shell in der Nähe des Pongo nach Öl zu bohren und der zweite auf den South American Explorer Club. Ein Anruf dort bestätigte nur die Einsamkeit und Abgeschiedenheit dieser Gegend als großen "Weißen Fleck" Perus. Dieser "weiße Fleck" bestätigte sich auch nach unserer Ankunft in Peru, im Militärgeografischen Institut in Lima. Es gibt keine Karten und zudem sei der Pongo ein heiliger und mystischer Ort der Indianer, dozierte der ergraute Beamte mit einem vielsagenden Stirnrunzeln. Fehlanzeige auch nach unserer Ankunft in Cusco. Keine Reiseagentur und auch keines der dort zahlreich vertretenen Abenteuer- und Raftagenturen hatte je etwas von einem "Pongo de Mainique" gehört. Lediglich bei Instinct - dem sicherlich erfahrensten Raftanbieter Südamerikas stellte man die Ohren und nach einigen Telefonaten saßen wir dem Chef persönlich gegenüber. Bejamin Muniz grinste uns über beide Ohren an, schlürfte seine etwas zu flüssig geratene Lassagne ohne uns und die gerade übertragene Fußball-Weltmeisterschaft auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen.Ob er etwas über den Pongo de Mainique wisse, fragte ich ihn, er verneinte, "aber wenn wir zurück sind wissen wir mehr"! Und damit hatte sich Benjamin elegant selbst eingeladen und wir waren vier. Schnell waren die Modalitäten geklärt, wir das sind Sven, Jens und ich, kümmern uns um die Boote, das Essen, die Transportmittel, Bejamin würde unser Boots-Equipment durch einige wertvolle Ausrüstungsgegenstände ergänzen.

 

Am Tropf.......

 

Es ist dunkel im Zimmer unseres bescheidenen Hotels. Gegen das fahle Mondlicht sehe ich die Tropfkammer der Infusionsflasche "Tropf, Tropf, Tropf"- in der Disco gegenüber dröhnen die Hits der 70er und zum zigsten Mal hängt der Plattenspieler und "Bette Davis Eyes" gerät ins Stocken. "Eyes, Eyes, Eyes". Die Tropfkammer hängt unter einer Infusionsflasche und diese über unserem Freund Sven, der sich in den letzten 2 Tagen alles Verdauliche aus dem Leib gesch.... hatte und nun flach wie ein Flunder matt und so schien es in den letzten Zügen in den durchgelegenen Federn seiner Bettstatt lag. Neben der Frage ob wohl Discomusik die Darmresorption fördert oder nur die Tropfgeschwindigkeit der Infusion beschleunigt, quälte mich allerdings die noch zwingendere Frage, ob es Sven schaffen könnte bis übermorgen Samstag wieder zumindest was die Exkremente betrifft zäher zu werden. Mit Antibiotika und Infusionen versuchten wir seit dem frühen Abend den sündigen Anticuchos zu Leibe zu rücken, denen Sven auf dem Markt erlegen war. Die Chemie siegte und die Bakterien gingen am Morgengrauen in die Knie. Überreife Bananen, geriebener Apfel, Salzstengelchen und Unmengen von Vitamin B und C angereicherten Infusionen sollten am folgenden Tag, einen Tag vor Abfahrt, die verlorene Power ersetzen.

 

 

Vom "Nabel der Welt" zur "Perle des Oriente..."


Auf Benjamin, den neugierigen und schnell entschlossenen Chef von Instinct kann man sich getrost verlassen: Zum vereinbarten Treffpunkt vor unserer Herberge kommt er gar nicht, dafür aber pünktlich auf die letzte Sekunde als der Bus gerade das Terminal in Richtung Quillabamba verlässt. Unsere Nerven beruhigen sich, der Blutdruck sinkt auf normotone Werte. Über uns auf dem Dach rumpeln unsere wasserdichten Tonnen und Zargesboxen, alles ist wohl verstaut und Bejamin war, kaum dass er in seinem reservierten Sitz Platz genommen hatte, eingeschlafen. Wie lange fährt man nach Quillabamba, frage ich einen mitfahrenden Bauern in Spanisch- "No se" - "ich weiß es nicht". Auf jeden Fall 10 Stunden "seguro diez oras" raunt eine rundliche Marktfrau ungefragt dazwischen. Mit dem Zug sind es knappe 6 Stunden ergänzt sie, aber die Eisenbahnlinie nach Quillabamba war ja im Februar kurz nach Macchu Picchu durch die mächtigen Regengüsse des unerbittlichen "El Nino`" hinweg gerissen worden. Nun verbindet nur eine raue Strasse über einen 5000 m hohen Pass den "Nabel der Welt", wie die 3.300 m hochgelegene Stadt Cusco in Peru genannt wird, mit Quillabamba, der auf knapp 500 m tief gelegenen Endstation der Zivilisation am Rande des Regenwaldes. Kaum liegt die alte Inka-Hauptstadt hinter uns, grüsst auch schon der mächtige Nevado Salcantay mit seinen 6.200 m über die Pampa von Chinchero. Die Sonne strahlt von einem ungetrübten Andenhimmel, während uns der Busfahrer abgesehen von seinen Fahrkünsten mit einem Videofilm über "Killerhornissen" auf die Freuden des Urwaldes einstimmt.

 

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