
GRABNER LIVE
AMIGO - das kleine Reisewunder
Sehr geehrter Herr Grabner
Nach einer schönen Tour gestern auf dem heimischen Schluchsee im Schwarzwald habe ich heute das Bedürfnis Ihnen etwas von meinen 3-jährigen Erfahrungen mit dem Amigo mitzuteilen.
Ich habe das Boot vor 3 Jahren als Ausstellungsboot in Freiburg bei Sport-Kiefer verbilligt gekauft, nachdem es einen Sommer lang in der Sonne gestanden hatte. Als ich Ihr Eignerheft las, hatte ich zunächst Bedenken, welchen Schaden das Boot durch die Sonneneinstrahlung genommen hatte. Fazit: Bis heute nach gut 40 Tagestouren kein einziges Loch!
Amigo - das Oekoboot
Sie preisen das Amigo als Jugend- und Freizeitboot an. Für mich (46 Jahre alt) ist es viel mehr.
Vor dem Amigo hatte ich das Rocky getestet. Ich suchte ein Boot, das allein und zu zweit gut zu fahren ist. Das Rocky hatte mich überzeugt, doch wollte ich ein Boot, das ich gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln und gelegentlichem Taxieinsatz mit dem Rucksack - und immer wieder kürzere Strecken zu Fuss - transportieren kann. Das Rocky war mir zu schwer, da ich auch Mehrtagesreisen mache und dafür einen Bootssack mit Kleidern, Schlafsack und Proviant nebst Paddel dabei habe.
Also konstruierte ich mir das Amigo zum wahren kleinen Bruder des Rocky um: Zwei Sitzbretter aus Bootsbausperrholz werden an zwei Sitzpositionen auf die Seitenwülste gelegt und mit Gummischnur an aufgeklebten D-Ringen so befestigt, dass beim Kentern die Beine frei kommen. Die Seitenwülste drückt es bei meinen 75 Kilo ganz leicht ein, 0,3 Bar sei Dank.
Jetzt habe ich alle Optionen wie beim Rocky und nutze folgende Varianten:
- Allein auf Seen bei Gegenwind und auf wilderen Wanderflüssen: mit einem hochwertigen Doppelpaddel, klassisch den Amigo als "Einer" gefahren, auf Seen ohne Finne, obwohl ich mir das manchmal schon überlegt habe...
- Vom Bewegungsmuster her bevorzuge ich das Stechpaddel im Knien mit meiner Konstruktion und bin so alleine auf Wanderflüssen unterwegs.
- Zu zweit mit 2 Holzstechpaddeln die 15 bis 20 cm kürzer sind als die Grabner-Paddel im Knien auf den Holzbänken - mit Reisegepäck in den Zwischenräumen. Auf diese Weise den Hochrhein vom Bodensee bis Basel in 4 Tagen, die Donau von Beuron bis Ulm an 3 Tagen, 100 km in 3 Tagen auf dem Regen, die Loisach, usw.
- Zu zweit mit Stechpaddel. Ich hinten mit dem Sitzbrett kniend und meine Partnerin vorne im Sitzen, leicht erhöht durch eine Schwimmweste unter dem Doppelpaddelsitz mit kurzem Stechpaddel - eine knieschonende Variante für sie, bei der ich von hinten einen fast freien Blick nach vorne habe.
Zu zweit muss das Gepäck wasserdicht verstaut sein, da jeder grössere Schwall seine nassen Spuren hinterlässt und öfter auch mal angelandet werden muss, wenn mit dem Schwamm nichts mehr zu machen ist.
Amigo und Outside - David gegen Goliath
Mein Hauptreisepartner für die Mehrtagestouren besitzt ein Outside, doch meistens nehmen wir mein Amigo: Wir sind "mit leichtem Gepäck" unterwegs, wenn wir aus verschieden Städten anreisen um uns am Startplatz zu treffen: ich bringe das Boot, er Zelt und Schwimmwesten.
Durch den geringen Durchmesser der Seitenwülste lässt sich sehr nah am Körper paddeln, was Kraft spart und Spurtreue schafft. Die Windanfälligkeit ist viel geringer. Da nehmen wir gerne seltene nasse Schwälle in Kauf, solange die Temperaturen angenehm sind oder umtragen an Stellen, die wir mit dem Outside fahren würden.
Wir können mit anderen Wanderfahrern mit Feststoffkanadiern gut mithalten und sind recht schnell, obwohl es mir darum nicht geht.
Abschliessend bedanke ich mich bei Ihnen für Ihre Produkte - ich möchte bald einmal die Trimaran-Besegelung testen - und verbleibe als absoluter Amigo-Fan...
Mit herzlichen Grüßen
Martin Jehle
Noch eine technische Anmerkung:
Wenn ich den Amigo allein mit dem Stechpaddel fahre, wird der ursprüngliche Bug zum Heck, so wie Sie es beim XR Trecking auch machen würden, um dann umgedreht auf der ehemals vorderen Sitzbank zu sitzen und den Schwerpunkt so ziemlich in der Mitte zu haben.
Die Mittelstrebe lasse ich dann zuhause, da sie zu nahe an den Knien wäre.



