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Am nächsten Tag heißt unser Ziel Ropa, dort ist auf unserer Karte ein Campingplatz eingezeichnet.
Nach dem Frühstück (Spagetti um 9 Uhr früh, Bewegung macht hungrig) paddeln wir durch den grossen See. Das Wasser ist jetzt auch schon im See bewegt, wir sind neugierig, was uns auf dem offenen Meer erwartet, noch dazu wo wir dann an der Südwestküste von Mljet paddeln, und die ist wie wir aus Beschreibungen und von unserer Seekarte wissen sehr schroff und steil.
Auf den Seen dürfen übrigens keine Motorboote und Segelboote fahren, alleine Padddelboote sind erlaubt. Das ist sehr angenehm und gibt diesem Naturschutzpark eine sehr ruhige und beschauliche Atmosphäre.
Unterwegs besichtigen wir vom Wasser aus die kleine Insel St. Maria auf dem Veliko jezero (Großer See), mit einem Benediktinerkloster, welches aus dem 12. Jahrhundert stammt und unter Denkmalschutz steht.
Wir nähern uns nun der Solin Meerenge, durch die das offene Meer mit dem großen See verbunden ist. Je näher wir kommen, umso deutlicher spüren wir den Wind, umso höher werden die Wellen.
Wir streifen uns jetzt vorsichtshalber auch die Spritzdecken-Schürzen über.
Wir passieren die Meerenge und dann gehts los : Rock and Roll, der Wind pfeift uns mit 6 - 7 Beaufort um die Ohren, die Wellen sind gut eineinhalb Meter hoch. Wir kommen gar nicht richtig dazu, uns Gedanken oder Sorgen zu machen, so sehr sind wir mit den widrigen Umständen beschäftigt.
Wir haben natürlich wieder Gegenwind, was aber den Vorteil hat, dass die Wellen frontal auf uns zukommen. Wir können die Wellen also schneiden, nach einer Gewöhnungsphase macht uns die Situation langsam Spass. Die Boote liegen stabil im Wasser, solange man selbst keinen Fehler macht passiert nichts.
Die Wellen sind zwar beeindruckend hoch, sie rollen aber auf uns zu, brechen nicht, wir kommen mit diesen Bedingungen gut zurecht, es ist aber ziemlich anstrengend mit vollster Konzentration gegen Wind und Wellen anzukämpfen.
In den nächsten Stunden steigert sich der Südwind (Jugo) kontinuierlich, und mit ihm die Wellenhöhe.
Als wir kurz vor Ropa angelangt sind, haben die Wellen gut und gern eine Höhe von 2 Metern, teilweise brechen sie auch schon.
Wir hoffen nun schon alle auf den Anblick eines flachen Strandes mit dahinterliegendem Campingplatz.
Außer einer kleinen Bucht ist die Küste aber sehr steil (50 bis 150 m). Wir wissen nicht mehr genau wo wir sind, sollten wir am Campingplatz bereits vorbeigefahren sein? Unmöglich, das hätten wir sicher bemerkt. Da der Wind immer noch an Stärke zulegt, beschließen wir die kleine Bucht anzusteuern, notfalls können wir ja dort eine Nacht verbringen, Trinkwasser haben wir noch genug dabei.
Da wir jetzt Richtung Küste fahren, haben wir die Wellen jetzt seitlich, aber auch das kann man unter ständiger höchster Konzentration fahren. In einiger Entfernung fährt die AIDA am offenen Meer an uns vorbei.
Die Wellen donnern gegen die Steilküste, ein Anlegen an der Küste wäre gänzlich unmöglich.
Wir schaffen es in die kleine Bucht wo ein kleiner Steg betoniert ist. Selbst hier in dieser halbwegs geschützten Bucht ist das Anlanden noch sehr schwierig, wir warten ab, bis einige kleinere Wellen kommen, und fahren dann zügig zum Steg, springen aus dem Boot und heben das Boot auf den Steg.
Die nächste größere Welle schwappt bereits über den Steg, egal, geschafft.
Wir sind jetzt alle miteinander ehrlich froh an Land zu sein.
Wir erkunden die Umgebung, und entdecken einen Weg, der steil nach oben führt. Die Boote lassen wir gut gesichert in der Bucht zurück, und marschieren den Weg steil bergauf. Nach geschätzten 150 Höhenmetern gelange wir auf ein Plateau, und da ist er, der Campingplatz.
Der Campingplatz ist also nur von der Landseite auf einer Strasse erreichbar, nicht vom Meer aus, bzw. nur über den steilen Weg von der Bucht herauf.
Am Campingplatz sind nur wenige Menschen, es gibt auch kein Restaurant, nur einen winzig kleinen Laden, der aber auch geschlossen ist.
Nach längerem Suchen finden wir den "Campingplatzverwalter". Bei einem Getränk unterhalten wir uns mit ihm über das Wetter. Er erklärt uns, dass der Wind "Jugo" heißt, ca. 3 Tage dauern wird, und auf der Südwestküste sehr gefährlich ist.
Wir beschließen daraufhin, unsere Paddeltour zu unterbrechen, wir wollen nichts riskieren.
Also gehen wir wieder den Weg hinunter zur Bucht, zerlegen die Boote, und tragen sie in den Rucksäcken nach oben zum Campingplatz. Da der Weg nach oben sehr steil und sehr schlecht gesichert ist, müssen wir 2 x gehen, um unser gesamtes Gepäck nach oben zu bringen.
Anschließend kaufen wir den kleinen Laden beinahe leer, viel ist ohnehin nicht mehr da. Zum Abendessen gibt es Extrawurst, und Konserven und etwas Brot, dass der "Campingplatzverwalter" schon aus seinen eigenen Beständen dazugibt.
Wir beratschlagen am Abend unsere Situation. Unsere Entscheidung ist, nicht mehr auf Mljet weiterzupaddeln, es ist auf der Südwestseite einfach zu gefährlich.
Wir wollen mit dem Bus wieder zurück nach Sobra, von dort mit der Fähre zurück nach Dubrovnik, und mit einer anderen Fähre weiter auf die Elafiten Insel Gruppe (Sipan, Lopud, Kolucep)
Wir hoffen, dass bei diesen dem Festland näheren Inseln Wind und Wellen nicht so extrem sind.
Am Nachmittag haben wir einen Bus bemerkt, der direkt vor dem Campingplatzgelände gewendet hat.
Unserer Recherche, wann am nächsten morgen der erste Bus nach Sobra geht ergibt, dass sowieso nur einmal am Tag ein Bus nach Sobra geht, und zwar um fünf Uhr in der Früh. Dieser Bus geht desshalb so früh, damit die Fähre um 6 Uhr in Sobra erreicht wird.
Gut, wir gehen zeitig schlafen, stellen die Weckfunktion auf den Handys auf 4:15 und stehen tatsächlich um 4:50 dort, wo wir gestern den Bus gesehen haben.
Pünktlich um 5:00 sehen wir einige hundert Meter über uns tatsächlich die Lichter eines Busses.
Wir warten, beruhigen uns gegenseitig, dass der Bus ja sicher noch etliche Serpentinen bis zu uns herunterfahren muß, und er deswegen so lange nicht kommt.
Um 5:15 geben wir auf, der Bus ist zwar gefahren, die Haltestelle liegt aber oberhalb des Campingplatzes direkt an der Hauptstrasse. Das hat uns keiner gesagt, na gut, wir haben auch nicht direkt danach gefragt.
Die Mayrhofers legen sich nochmals schlafen, Christoph und ich gehen zu der Bushaltestelle, vielleicht gibts da ja einen Bus-Fahrplan.
Gabs natürlich nicht, aber wir bringen in Erfahrung, dass um ca. 8:00 der Schulbus direkt zum Campingplatz kommt, wir sollen den Fahrer fragen, vielleicht nimmt der uns ja mit. Der Bus geht allerdings nicht bis Sobra, sondern nur bis in den Hauptort der Insel: Babino Polje
Der Schulbus nimmt uns tatsächlich mit, die Fahrt in dem Bus ist der blanke Horror, Schulkinder sind wohl auf der ganzen Welt in den Schulbussen laut, keiner bleibt sitzen, Gegenstände fliegen durch den Bus. Ich bin froh, als es vor der Schule zum Aussteigen wird.
Der Busfahrer sieht unser Gepäck, schließt daraus, dass wir zum Hafen in Sobra wollen, und bietet uns für ein fürstliches Entgelt an, uns mit "seinem" Bus dorthin zu bringen.
Jetzt sitzen wir alleine im Bus, alle sind zufrieden, wir, weil wir doch noch nach Sobra kommen, der Busfahrer, weil er ein nettes Nebeneinkommen lukriert hat.
Mit der Speed-Fähre(Katamaran) gehts dann zurück nach Dubrovnik, und von dort aus auf die Insel Lopud. Gegen 23 Uhr kommen wir auf Lopud an, noch eine Kleinigkeit zu essen, dann wollen wir etwas ausserhalb des Ortes in einer Wiese übernachten.
Auf dem Weg zu dieser Wiese fällt uns im Ort eine kleine Kirche auf, deren Tür zum Kirchen-Vorplatz offen steht.
Josef und ich wollen nicht mehr weitergehen, wir legen uns vor die Kirche, Christoph und Marco ist dieser Platz nicht ganz geheuer, sie gehen noch bis zur Wiese außerhalb des Ortes.
Ich schlafe mit dem Gedanken ein, ob man uns bei einer eventuellen Frühmesse vom Kirchenvorplatz wegprügeln wird, oder ob man uns eine Suppe anbieten wird .....
Um 5 Uhr Früh sind diese Gedanken nichts mehr wert, denn es beginnt plötzlich zu regnen, nein, es gibt besser gesagt einen Wolkenbruch, der uns aufspringen und unsere Schlafsäcke einpacken lässt.
Es lässt sich aber nicht verhindern, dass unser Gepäck, und damit auch unsere Kleidung komplett nass wird.
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