
GRABNER LIVE
Kurzbericht Testfahrt GRABNER ADVENTURE mit TORQEEDO TRAVEL ULTRALIGHT 402
Ort: Femund, Norwegen
Zeit: 20.7.2009 bis 24.7.2009
Testfahrer: Friedrich Böbel, Daniel Hanke
Wetter: 3 Tage Dauerregen, teils mit starkem Wind, 1 Tag bewölkt aber trocken, 1 Tag sonnig. Temperaturen tagsüber zwischen 16°C und 3 °C.
Zuladung: Fahrer inkl. Ausrüstung 230 kg
Boot (Bild 1):

- Bild 1
Ein hervorragend durchdachtes und praxistaugliches Boot, das vor allem durch seine hohe Zuladung bei sehr gutem Freibord besticht. Auch die Wind- und Wellenstabilität sind erwähnenswert. Einziger Kritikpunkt ist die relativ geringe Reisegeschwindigkeit (Paddelgeschwindigkeit über mehrere Stunden gemittelt ca. 5 km/h. Kurzfristige Paddelgeschwindigkeit ca. 7,5 km/h). E s ist also mehr ein Kleinlaster denn ein Sportracer, also genau das, was man für einen Wildnistripp braucht.
Persönlich würde ich bei langen Touren aus Sicherheitsgründen eher ein 5 oder 7-Kammer Boot denn ein 3-Kammer Boot bevorzugen. Allerdings hatten wir mit der mechanischen Stabilität auch beim Anlanden keinerlei Schwierigkeiten.
Motorenmontage:

- Bild 2
Die Motorenmontage am hinteren Steven ist einfach zu montieren und stabil. Der Motor sitzt sehr schön zentral (Bild 2). Die Flügelschrauben sind auch ohne Werkzeug fest genug anzuziehen. Die Stabilität der Heckleiste ist für die Motorenmontage ideal. Auch bei Vollschubmanövern gibt es keinerlei Probleme. Als problematisch haben sich starke Temperaturänderungen erwiesen. Am ersten Tag waren bei 16 °C alle Manöver auch bei Vollgas möglich.

- Bild 3
Am dritten Tag bei 3°C mussten nach Vollgasmanövern die Rohrhalterung am Kugelhalter nachgezogen werden, da das Rohr sich seitlich verdreht hatte und dadurch der Motor schräg im Wasser stand, was nur an Land vorgenommen werden kann (Bild 3).
Das Mitführen des mitgelieferten 5er- Inbusschlüssels ist also notwendig.
Lenkung:

- Bild 4
Die Fußlenkung ist nicht praxistauglich. Der Grund dafür ist zum einen der mangelnde Platz. Zum anderen knien erstzunehmende Kanuten im Kanu und sitzen nicht, allein schon um den Schwerpunkt niedriger zu halten und das Kanu besser kontrollieren zu können. Dafür sind die Sitze am Kanu auch ausgelegt. Eine Fußsteuerung ohne Rückenlehne wird bereits nach einigen Minuten sehr ermüdend. Wir fuhren ein 4,50 m langes Adventure, das mit der Zuladung hervorragend zurechtkam, allerdings bei ca. 60 kg Ausrüstung keinen Platz zwischen Vordermann und Hintermann lies, um eine Fußsteuerung unterzubringen. Für reine Freizeitpaddler, die ohne nennenswertes Gepäck und mit Rückenlehnen unterwegs sind, kann sich ein anderes Bild ergeben. Für diesen Anwenderbereich ist das Adventure aber eigentlich überdimensioniert. Wir haben die Fußsteuerung durch eine Handsteuerung ersetzt, was zwar gut geht, aber nicht so komfortabel ist, wie man das von Kajaks gewohnt ist (Bild 4). Bezüglich Lenkung sollten sich die Experten von Grabner und Torqeedo nochmal zusammensetzen um zu einer praxistauglichen Lenklösung zu kommen.
Weiterhin erachten wir eine Aufholleine insbesondere beim An- und Ablanden als zwingend notwendig. Wir haben sie improvisiert und einfach in den Ösen für den Hintersitz fixiert. Hier wäre eine Seilklemme, die man in eine der Ösen für den Hintersitz schrauben kann, eine feine Lösung. Eine Niederholleine ist nicht notwendig, es sein denn man erwägt Rückwärtsfahrt. Im Gegensatz zu Kajaks benutze ich im Kanu beim An- und Ablegen immer das Paddel, so dass wir glänzend ohne die Rückwärtsfunktion auskamen. Für Anwender die rückwärts fahren wollen, würde sich eine zweite Leine anbieten, die dann über eine in den Ösen eingeschraubte Seilklemme einfach fixiert werden kann.
Batterie und Ferngas:
Es waren zwei Batterien im Test. Die in den Batterien beheimateten Funktionen wie GPS, Master, Ladeelektronik, BMS, etc. haben störungsfrei funktioniert. Ein Akku lag hinter dem Hintersitz vollständig im Wasser (Dauerregen), da die Akkus mit 8 mal 8 Zellen bestückt waren, waren sie nicht schwimmfähig. Beide Akkus haben die Schlechtwetterperiode problemlos überstanden. Ebenso haben die Ferngase problemlos funktioniert. Sie waren zu jedem Zeitpunkt Wind und Wetter ausgesetzt.
Motorleistung:
Folgende Reichweiten-Geschwindigkeit Kombinationen wurden gemessen (Zuladung 230 kg)
| v (km/h) | P (Watt) | Reichweite bei vollem Akku mit 230 Wh (km) |
|---|---|---|
| 2,8 | 30 | 21,5 |
| 5,0 | 100 | 11,5 |
| 8,0 | 400 | 4,6 |
Solarladung:
Es wurde ein CIGS Solarlademodul mit 48 Watt Spitzenleistung getestet. Die Solarladung hat gut funktioniert und ohne besondere Ausrichtung zur Sonne (einfach nur auf den Boden gelegt) ca. 35 Wh pro Stunde in den Akku geladen. Wir konnten also nach 1 Stunde Pause wieder ungefähr 3 km weit bei 3 km/h Geschwindigkeit fahren. Allerdings herrschte während der Pause wolkenloser Himmel. Der Akku wurde vorher tiefentladen, war also bei ca. 18 V Packspannung. Bei bedecktem Himmel hat die Solarladung nicht funktioniert.
Fazit:
Es war eindeutig, dass insbesondere bei längeren Touren (bei denen jeden Tag mehrere Stunden gepaddelt werden muss), insbesondere auf Seen (auf denen jeder Meter ehrlich erpaddelt werden muss)und insbesondere bei schlechtem Wetter und Wind ein Motor wie der Travel Ultralight den Markt für wildnistaugliche Kanus substantiell vergrößert. Verbesserungen sind bei der Lenkung notwendig. Die interne Elektronik des Akkus ist so anzupassen, dass die Elektronik auf jeden Fall die hohen Leerlaufspannungen von einem CIGS 24V Modul aushält. Außerdem sollten wir neben den CIGS Zellen nochmal ein 24V Modul aus amorphen Silizium testen (z.B. von PowerFilm) um zu überprüfen, ob amorphes Silizium bei bedecktem Himmel bessere Ergebnisse liefert.
Entschuldigung in eigener Sache:
Leider habe ich keine funktionsfähige Kamera bei dem Test dabeigehabt. Die paar Bildchen wurden mit dem Handy aufgenommen. Ich bitte Bildqualität und mangelnde künstlerische Gestaltung zu entschuldigen.
Mit herzlichen Grüßen aus Norwegen
Ihr Friedrich Böbel


