
LUFTBOOTE
Ausgangssituation
In der Freizeit oder im Urlaub zu Reisen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Hauptreisemittel ist nach wie vor das Auto, gefolgt vom Flugzeug, aber auch umweltfreundliches Reisen mit der Bahn. Beim Reisen mit einem Boot ? egal mit welchem Reise- und Transportmittel ? ist das Packvolumen, Transportgewicht und der Zusammenbau des Bootes nach wie vor das Hauptproblem. Gut gelöst wird das Transportproblem von Luftbooten, aber auch von faltbaren Booten verschiedenster Konstruktionen.
Als einziger Luftboote-Hersteller im deutschsprachigen Raum konstruierte die Firma GRABNER in den letzten Jahrzehnten einige bahnbrechende Reiseboote. Bei einem reinen Luftboot gibt allerdings erst die eingepumpte Luft dem Boot die endgültige Form und Härte. Trotz hohem Betriebsdruck sind bei sehr schlanken Luftkajaks der Steifigkeit natürliche Grenzen gesetzt. Ohne zusätzliche Aussteifung lassen sich die Fahreigenschaften eines Hartschalen Kajaks nicht erreichen.
Faltboote oder Hüllenboote mit Aluminiumgerüst sind zwar steifer als reine Luftboote, haben aber die Nachteile des höheren Gewichts, größeren Packvolumens der vielen Einzelteile und des langwierigen komplizierten Aufbaus. Durch meist fehlenden seitlichen Auftrieb ist auch die Kippstabilität gering.
Diese Tatsachen haben dazu geführt, dass sich Bootfahrer immer wieder einen optimal reisetauglichen schlanken Kajak gewünscht haben. Es war also höchste Zeit, ein Boot zu entwickeln, das die Fahreigenschaften eines Hartschalenkajaks bietet, aber gleichzeitig deren Nachteile ? das große Lager- und Transportvolumen und die leichte Kippelichkeit ? vermeidet. Die Geburtsstunde des DISCOVERYS war gekommen.
Hochgesteckte Zielvorgaben
Die Wünsche der Bootfahrer an das neue Reiseboot waren hoch gesteckt. Das Pflichtenheft enthielt Anforderungen, die auf den ersten Blick fast unerfüllbar waren. Zum Beispiel:
- Optimale Eignung für Flusswanderfahrten, als Seakajak und bis Wildwasser 2
- Die Fahr- und Paddeleigenschaften müssen denen von schlanken Hartschalenbooten entsprechen, die Kippstabilität muss aber viel höher sein.
- Das Boot soll 1- oder 2-sitzig optimal, notfalls aber auch von 3 Personen gefahren werden können.
- Das Gewicht und Packvolumen muss deutlich unter dem eines Faltbootes liegen.
- Die Steifigkeit eines Faltbootes muss erreicht werden.
- Der Aufbau muss auch von Ungeübten unter 10 Minuten möglich sein.
- Die Sitze müssen während der Fahrt an die Körpergröße anpassbar sein und für den Transport kleinstes Stauvolumen aufweisen.
- Die Optik des Bootes soll richtungweisend sein und dem eines modernen, schlanken Seakajak entsprechen.
- An Zusatzausstattung muss es Steuerung, Spritzdecke, Eskimotierhilfen, Motorhalterung, Besegelung und Reisegepäcktaschen geben.
Es war bald klar, dass das neue Boot von Grund auf ?anders? konzipiert werden muss als ein herkömmliches Luftboot bzw. Faltboot. Durch kombinieren unterschiedlichster Materialien müssen Wege gefunden werden, um die, an das neue Boot gesetzten Anforderungen und technischen Ziele, zu erreichen.
Entwicklungsschritte
In 2-jähriger Entwicklungsarbeit unter Federführung eines erfahrenen Designers, mehreren externen Beratern für Material und technische Detaillösungen, sowie dem GRABNER Entwicklungsteam, wurden verschiedene Lösungsansätze verfolgt. Klar war, dass es im Prinzip ein Luftboot sein soll, das aber mit Versteifungselementen gestreckt und ausgesteift werden muss.
Die große Herausforderung für das Entwicklungsteam bestand darin, die widersprüchlichen Wünsche zu erfüllen.
- geringes Gewicht kontra Stabilität
- kleines Packmaß kontra großzügige Sitz- und Gepäcksstaumaß
- maximale Aussteifung kontra rascher und einfacher Zusammenbau
- schmale, leichtlaufende Form kontra Kippstabilität.
Die Konstruktion basiert auf folgenden Hauptteilen:
- Bootshaut mit Boden, Bug- und Heckverdeck und aufblasbaren Seitenwänden aus einem Stück
- Im Bereich des offenen Cockpits zerlegbare Aussteifungs-Bodenplatten mit Mittelprofil zur Aufnahme der verstellbaren Sitze.
- Bug- und Heck-Längsversteifung mit Dreh- und Klappspant Spreizstruktur. Cockpitstreben zur Aussteifung des Mittelteils.
- 1 bis 3 Sitze und Fußstemmböcke mit stufenloser Längsverstellung.
Die Genialität der Konstruktion liegt darin, die seitlichen Luftkörper durch 3 Wülste sehr schmal zu halten (schmale leichtlaufende Form) und den Boden samt Aussteifungsstruktur durch wenig Einzelteile zu konstruieren (wenig Teile, rasche Montage, leichtes Gewicht, kleines Packmaß).
Lösungsansätze
Während das Grundprinzip klar war, bereitete die Umsetzung große Probleme. Es mussten Materialien gefunden werden, die eine extreme Festigkeit aufweisen, dabei aber leicht und seewasserfest sind. Nach und nach wurden Prototypen aus unterschiedlichen Materialien gebaut, getestet und wieder verworfen:
- Struktur und Boden aus Aluminium, Bug, Heck, Spant aus Kunststoff ? zu schwer
- Struktur aus Carbon Rohren, Boden GFK ? zu weich, zu teuer
- Struktur aus GFK Rohren, Boden GFK ? zu weich
- Struktur, Spanten und Boden aus Sperrholz ? Bruchgefahr, aufwendig, schwer
- Mischformen verschiedener Materialien - optimal
Allmählich kristallisierte sich die endgültige Lösung heraus. Bis aber auch hier letzte Details klar und abgesichert waren, mussten aufwendige wassertechnische Prüfungen und intensive Praxistests gemacht werden. Erst bei den Langzeit-Extremtests am Wasser stellten sich die wirklichen Schwachstellen heraus. Diese lagen bei den Verbindungsteilen und Bodenplatten, die extremen Belastungen ausgesetzt sind.
Nach aufwendigen Recherchen und empirischer Forschung gelang es letztlich optimale Lösungen zu finden. Bei den wassertechnischen Prüfungen wurden Auftrieb, Belastbarkeit, Kippstabilität und Wellenverhalten getestet. Schließlich wurde das neue Boot einem Klimakammertest unterzogen, wo die Festigkeit unter extremen Bedingungen geprüft wurde.
Ein eigenes Teilprojekt war auch die Entwicklung eines völlig neuen Sitzes. An diesen wurden ebenso hohe Ansprüche gestellt:
- stufenlose Längsverstellbarkeit während der Fahrt
- optimale Gesäßform ohne Druckstellen
- unterstütze Schenkelauflage gegen Beinschmerzen
- neigungs- und höhenverstellbare Lehne
- Ablagefach für Kleinigkeiten
- geringes Gewicht und Packmaß.
Neben dem neu entwickelten GFK Schalensitz - der alle Wünsche erfüllt ? wurden aus Gewicht- und Packmaßüberlegungen, auch noch ein Leichtsitz und ein Luftsitz entwickelt.
Die einzelnen Entwicklungsschritte (Bilder)
Das endgültige serienmäßige Produkt
Das Resultat der langwierigen und kostspieligen Entwicklungsarbeit kann sich wirklich sehen lassen! Der DISCOVERY ist kein ?alter, aufgewärmter Hut?, sondern von Grund auf ein innovatives Hightech Produkt mit vielen Vorteilen:
- 2 Größen ? ein reinrassiger 1-Sitzer und ein 1 bis 3 Personen Boot
- Geniale Aussteifungsstruktur aus nur 6 bzw. 7 Teilen (statt über 30 bei einem Faltboot)
- Neue profilierte ASA-ABS Bodenplatten mit genieteter Sitzschiene
- Fahren mit offenen Cockpit oder Cabrio Verdeckspritzdecke
- 3 unterschiedliche, auch während der Fahrt stufenlos verstellbare Sitze
- Höchster Luft-Betriebsdruck mit 0,3 bar für maximale Festigkeit
- Extrem robuste langlebige, leicht reparierbare Bootshaut
- Reichhaltiges Zubehör für den Tagesausflug bis mehrwöchige Expeditionen
- Keine Verbundwerkstoffe, daher gesamtes Boot 100 % recyclingfähig






