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Ardèche (2)

Gemächlich treiben die beiden Kanadier durch die grandiose Felsenbrücke Pont d'Arc. Ganz in der Nähe entdeckten Jean-Marie Chauvet und zwei weitere Höhlenkundler im Dezember 1994 eine mit Tiermalereien ausgeschmückte Höhle, die eine der reichhaltigsten Sammlungen von Tierfelsbildern seiner Zeit enthält. Seit Juni 1995 werden in Vallon Pont d'Arc in einer Ausstellung fotografierte Malereien der Höhle und ein Video-Film dem interessierten Besucher gezeigt. Der Öffentlichkeit wird die Chauvet-Höhle wohl nie zugänglich gemacht werden.

Auf der folgenden, ruhigeren Strecke kann man sich auf die imposante Felslandschaft konzentrieren. Der Fluss schlängelt sich sanft glitzernd und in vielen Windungen dahin, ehe am Ende einer engen Flussschleife die Stromschnelle Les Trois Eaux wartet. Hier teilt sich der Fluss in drei Arme, wir landen an um den Schwall aus der Nähe zu besichtigen. Wir lassen die Kanus über die wellenreiche Schwallstrecke auf dem linken Flussarm gleiten. Die markanten, aus dem Wasser ragenden Felsblöcke, sind rechtzeitig erkennbar und problemlos zu umsteuern. Wellen nehmen das Boot mit und garantieren eine flotte Fahrt. Das vollgeladene Outside liegt stabil im Wasser und verleitet zum Spielen mit kleinen Walzen und Kehrwasser. Der Fluss zieht weiter. Das schummrige Licht in den engen Schluchtstellen wechselt mit blendender Lichtfülle, wenn das Tal offener wird. Kleine Stufen beschleunigen die Fahrt, dann wieder leises Gleiten. Nur das rhythmische Geräusch der eintauchenden Paddel stört die Stille. Immer wieder legen wir für Philip Pausen ein. Doch die mitgeführten Spielsachen wie Bagger und Kran braucht er kaum; Kies, Sand und Wasser sind ihm allemal genug.

Doch nicht nur für Kanuten ist die Schlucht der Ardèche ein Eldorado, auch auf Schusters Rappen kann man die Schlucht bezwingen. Ein Wanderpfad mit einigen Kletterpassagen führt den Fluss entlang und bietet sportlich ambitionierten Wanderern einen ganz besonderen Genuss. Wer es extremer mag, nutzt die für Climber freigegebenen, senkrecht abfallenden Kalksteinwände.

Durch lautes Rauschen macht die Rapide de la Dent Noire auf sich aufmerksam. Eigentlich hat sie es gar nicht nötig sich so lautstark anzumelden, der "Schwarze Zahn" genannte Felsbrocken in der Mitte des Schwalls ist ohnehin nicht zu übersehen. Eine Kiesbank verengt den Flusslauf, links ist der Fluss mit unzähligen Felsblöcken gespickt. Die Hauptströmung führt mitten hindurch. Wer nicht rechtzeitig die Stromzunge verlässt und entlang des rechten Ufers fährt wird hineingezogen in die havarieträchtige Felsenwelt des Dent Noire.

Während am linken Ufer die imposante, weiß blinkende Kalksteinwand senkrecht ansteigt, zieht sich rechter Hand dichter Wald stufig hoch, immer wieder durch steile Felsabfälle unterbrochen. Oben, auf dem Orgnac-Plateau, erreicht man eines der außergewöhnlichsten Naturwunder der Ardèche, den Aven d'Ornac. Die Tropfsteinhöhle beherbergt den größten Stalagmit Frankreichs, mit 24 Metern Höhe und einem beeindruckenden Durchmesser von 15 Metern; ein wahrer Koloss.

Ehe wir den Biwakplatz Gaud passieren, wölbt sich vom rechten Ufer eine Felswand über das Wasser. Aus der Frosch-Perspektive bestaunen wir die beeindruckenden Ausmaße des Canyon. Dort, wo das Gestein dem Wurzelgeflecht der Bäume keinen Raum bietet, wachsen lotrecht Felswände gen Himmel. Die Wände, in Jahrtausenden ausgehöhlt, teilweise glattgeschliffen, mit Biegungen, Kanten und Löchern. Einige Kilometer weiter beobachten wir hektisches Treiben am Ufer, ein Kanu ist gekentert, vollgelaufen und die Wasserwucht presst es querliegend gegen unnachgiebigem Gestein; wir landen an. Keinen Millimeter lässt sich der Kanadier bewegen. Den Schiffbrüchigen, Landsleute aus Freiburg, wurde der Spaß kräftig vermasselt, zumal nahezu der gesamte Vorrat an Dosen-Weißbier abgetrieben ist. Mit dem 20 Meter langen Seil unseres Wurfsackes gelingt es schließlich, das arg ramponierte Boot zu bergen. Jeder hat Angst vor dem Feuer, aber die meisten unterschätzen die Kraft des Wassers.

Dem Biwakplatz Le Gournier folgt eine Serie von wilden Stromschnellen. Während La Toupine mit Felsblöcken und nur knapp vom Wasser überspülten Steinen auf uns wartet, bringt der Schwall Grand Gour wieder richtigen Fahrspaß, hohe Wellen werfen das Outside von einem Wellental ins nächste. Die Strömung lässt nach, gemächlich treiben die Schlauchkanadier lautlos auf dem Wasser, Zeit zum Genießen.

Von weit her sichtbar, ragen die skurrilen Felsnadeln der Cathedrale genannten Felsformation weißlich schimmernd gen Himmel. Hoch über dem Grund der Schlucht liegt der Eingang zur Grotte de la Madeleine. Der Abend naht, auf dem Nudisten-Camp La Plage des Templiers finden wir einen Lagerplatz für die Nacht. Paddeln macht hungrig, mit Käse und Brot beruhigen wir unsere Mägen. Während Philip an seiner Flasche mit Apfelsaftschorle nuckelt, und am Ufer mit Begeisterung, glattgeschliffene Steine in den Fluss wirft, lässt der Rest der Mannschaft bei einer Flasche Rotwein den Tag ausklingen und schwärmt von den Eindrücken der vergangenen Stunden. Am Ufer breiten wir unser Nachtlager aus, wobei uns die Suche nach einer geeigneten Liegefläche einige Schwierigkeiten bereitet. Die Uferregion besteht aus faustgroßen, rundgeschliffenen Steinen. Als die Dunkelheit hereinbricht verstummt das lustige Gezwitscher der Vögel, doch das, die ganze Nacht andauernde, Quaken der Frösche erweist sich als wirksamer Schlafkiller; erst spät falle ich in einen unruhigen Schlaf.

Tags darauf sind wir bald auf den Beinen. Gegen acht treiben die Boote bereits flussabwärts. Die Ardèche gehört uns allein, weiche Nebel schweben über dem Fluss. Nur um den Kurs zu halten stechen die Paddel ins Wasser. Hoch über uns, Site d'Escalade, eine im Naturschutzgebiet für Kletterer freigegebene Felswand. Doch so früh am Morgen misst sich kein Climber mit dem vertikalen, glatten Gestein. Nicht nur die senkrechten Felsen hoch über dem Grund verheißen Gefahr, am Fluss warten unterspülte Prallwände mit scharfen Kanten auf die Kanuten. Wer hier nicht aufmerksam ist und rechtzeitig die Ideallinie erkennt, raspelt schmerzhaft entlang der spitzen Felsen. Neben dem Wasser dehnt sich eine Kieselbank aus, einige bunte Boote liegen am Ufer, daneben, die noch in Schlafsäcke gerollte Besatzung. Allein unsere Boote treiben auf der Ardèche.

Eine sichere Bootsführung verlangt die Stromschnelle La Cadière, doch dann trägt uns der Fluss geruhsam durch die Gorges de l'Ardèche. Immer wieder Höhlen in den lotrechten Felswänden, hoch oben - unerreichbar für uns. Die Sonne klettert höher und taucht alles in warmes Licht. Still und glitzernd zieht der Fluss in die Ferne, hier und da ein kleiner Schwall. In einer Biegung tritt die zerklüftete Felswand zurück, das felsige Ufer steigt zunächst stufig an. Mächtige Kalksteinblöcke prägen die Uferregion. Und auch sonst lädt diese Gegend, mit skurrilen Felsformationen zum Erkunden ein - wir legen an. Ein idealer Lagerplatz ist bald erspäht - eine zimmergroße, höhlenartige Ausspülung in dem, in Jahrtausenden, vom Wasser geformten Felsenszenario. Erst am frühen Nachmittag schubsen wir die Boote wieder ins Wasser, der Fluss zieht eine Schleife und knickt nach Süden. Vor uns liegt der Ausgang der Schlucht, die Höhen flachen sich zum Rhonetal hin kuppig ab. Gemächlich dümpeln wir flussabwärts, und viel zu rasch erreichen wir die Ausstiegsstelle bei Sauze. Während Helmut und ich mit den auf einem Campingplatz in Sauze abgestellten Stahlrössern, zum Umsetzen des Fahrzeuges, nach Vallon Pont Arc radeln, richten Hubert und Philip, Boote und Ausrüstung für den Rücktransport her.

 

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